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Wärmeübertragung

Hersteller und Markt für Plattenwärmeübertrager: Struktur, Geschichte und Beschaffung

Wie sich der Markt für Plattenwärmeübertrager entwickelt hat, wie er heute strukturiert ist und worauf bei Auswahl von Hersteller, Ersatzteilen und Service zu achten ist.

Der Markt für Plattenwärmeübertrager ist stark konsolidiert. Wenige international aufgestellte Konzerne decken den Großteil des Volumens ab, daneben existieren spezialisierte Mittelständler und ein umfangreicher Markt für Ersatzteile und Service. Wer beschafft, sollte wissen, wie diese Struktur entstanden ist, weil sie bis heute bestimmt, wo Ersatzteile für ältere Apparate herkommen.

Ein kurzer Blick zurück

Der Plattenwärmeübertrager entstand aus der Anforderung der Molkereiwirtschaft, Milch schonend und wirtschaftlich zu pasteurisieren. Die ersten praxistauglichen Apparate mit gepressten Platten und Elastomerdichtungen kamen Ende der 1920er Jahre auf den Markt, in Deutschland maßgeblich durch die Arbeit von Richard Seligman in Großbritannien und parallel durch deutsche Hersteller der Molkereitechnik.

Die entscheidenden Entwicklungssprünge danach:

  • 1930er bis 1950er Jahre. Ausweitung von der Molkerei auf die allgemeine Lebensmittelindustrie und die Chemie. Edelstahl löst Bronze ab.
  • 1960er und 1970er Jahre. Die Fischgrätprägung setzt sich durch. Sie erzeugt Turbulenz bei geringen Geschwindigkeiten und hebt die Wärmedurchgangskoeffizienten auf ein Niveau, das Rohrbündelapparate nicht erreichen.
  • 1980er Jahre. Das Vakuumlöten macht dichtungsfreie Kompaktapparate möglich. Damit erschließt sich die Kältetechnik, wo Dichtungen und Kältemittel schlecht zusammenpassen.
  • 1990er Jahre bis heute. Vollverschweißte Bauformen für aggressive Medien, Fernwärme als Massenmarkt und rechnergestützte Auslegung, die die Optimierung von Plattengeometrien deutlich beschleunigt.

Parallel dazu lief eine Konsolidierungswelle: Viele der ursprünglich eigenständigen Hersteller wurden in größere Anlagenbaukonzerne eingegliedert und firmieren heute unter anderem Namen. Für die Beschaffung heißt das vor allem eins: Ein Apparat aus den 1990er Jahren trägt oft einen Firmennamen, den es so nicht mehr gibt, die Baureihe wird aber weitergeführt.

Wie der Markt heute strukturiert ist

Vollsortimenter

International tätige Konzerne mit dem gesamten Spektrum von gedichtet über gelötet bis vollverschweißt, eigener Auslegungssoftware, weltweitem Service und eigener Plattenfertigung. Sie dominieren Großprojekte und den Anlagenbau, weil sie Druckgerätezulassungen, Dokumentation und Ersatzteilversorgung über die gesamte Lebensdauer abbilden.

Spezialisten

Anbieter mit Fokus auf ein Segment, etwa Kältetechnik, Hygieneanwendungen oder Sonderwerkstoffe. Sie sind bei Nischenanforderungen oft schneller und flexibler, decken aber nicht das volle Spektrum ab.

Ersatzteil- und Servicemarkt

Ein eigener Markt für Platten, Dichtungen, Reinigung und Instandsetzung, teils durch die Hersteller selbst, teils durch unabhängige Anbieter. Dienstleistungen sind typischerweise Zerlegen und Reinigen im Tauchbad, Rissprüfung der Platten, Neubedichtung und der Wiederaufbau mit Dichtheitsprüfung.

Original oder Nachbau?

Nachbauplatten und -dichtungen sind deutlich günstiger. Die Entscheidung sollte trotzdem bewusst fallen:

  • Leistung. Die Prägegeometrie bestimmt Wärmeübergang und Druckverlust. Eine äußerlich passende Platte kann andere Kennwerte haben, was sich als verschlechterte Grädigkeit oder erhöhter Druckverlust bemerkbar macht.
  • Dichtungswerkstoff. Bezeichnungen wie EPDM sagen wenig über die tatsächliche Mischung und damit über Temperatur- und Medienbeständigkeit aus.
  • Rechtliches. Bei Apparaten unter der Druckgeräterichtlinie kann der Austausch tragender Bauteile die Konformität berühren. Bei Trinkwasser gelten zusätzlich Anforderungen an die Werkstoffbewertung.
  • Gewährleistung. Sie entfällt in der Regel, sobald fremde Bauteile verbaut sind.

Bei unkritischen Heizungs- und Kühlanwendungen jenseits der Garantiezeit ist ein Nachbau eine legitime Option. Bei Trinkwasser, Hygieneanwendungen und druckgeräterechtlich überwachten Anlagen überwiegt das Risiko.

Was in eine Anfrage gehört

Damit Angebote vergleichbar werden, braucht der Hersteller mehr als die Leistung. Diese Angaben sollten in jeder Anfrage stehen:

  1. Beide Medien mit Konzentration und Stoffdaten bei Betriebstemperatur
  2. Volumen- oder Massenstrom je Seite
  3. Ein- und Austrittstemperaturen oder die geforderte Grädigkeit
  4. Zulässiger Druckverlust je Seite als Zahlenwert
  5. Auslegungsdruck und -temperatur einschließlich Störfall
  6. Anforderungen an Werkstoffe von Platten, Lot oder Dichtung
  7. Verschmutzungsneigung und geplantes Reinigungsintervall
  8. Einbausituation, verfügbarer Bauraum und Ausbauraum für Wartung

Im Angebot gehören dann k-Wert, tatsächliche Fläche, Plattenzahl und gerechneter Druckverlust ausgewiesen. Erst damit lässt sich erkennen, ob ein günstigerer Apparat wirklich günstiger ist oder nur knapper gerechnet wurde. Die Systematik dahinter steht unter Auslegung und Berechnung.

Typenschild und Dokumentation aufbewahren

Das Typenschild trägt Typ, Fabrikationsnummer, Baujahr, zulässigen Druck und zulässige Temperatur. Ohne diese Angaben wird jede spätere Ersatzteilbeschaffung zur Suche. Ebenso gehören das Auslegungsdatenblatt mit den gerechneten Werten und der Plattenplan mit der Kanalanordnung in die Anlagendokumentation. Wer nach zehn Jahren feststellt, dass die Leistung nachgelassen hat, kann sonst nicht beurteilen, ob der Apparat verschmutzt ist oder ob sich schlicht der Betriebspunkt verschoben hat.

Häufige Fragen

Kann ich Platten und Dichtungen von einem Drittanbieter verwenden?

Technisch oft ja, aber es hat Folgen. Die Prägegeometrie bestimmt Wärmeübergang und Druckverlust, weshalb eine formähnliche Nachbauplatte andere Leistungsdaten haben kann. Zudem erlischt in der Regel die Gewährleistung, und bei druckgeräterechtlich zugelassenen Apparaten kann die Konformitätserklärung entfallen.

Wie finde ich Ersatzteile für einen alten Apparat?

Über das Typenschild mit Typ, Fabrikationsnummer und Baujahr. Auch wenn der ursprüngliche Hersteller nicht mehr unter dem alten Namen existiert, führen die Nachfolgegesellschaften die Baureihen meist weiter. Bei sehr alten Apparaten lohnt der Vergleich, ob eine Neubeschaffung günstiger ist als eine Komplettbestückung.

Worin unterscheiden sich Hersteller technisch?

Vor allem in der Plattengeometrie: Prägewinkel, Prägetiefe, Kanalweite und Verteilerzone bestimmen, welcher Wärmeübergang bei welchem Druckverlust erreicht wird. Deshalb ergeben sich für dieselbe Aufgabe unterschiedliche Flächen und Plattenzahlen, ohne dass ein Anbieter schlechter rechnen würde.